„Warum drehe ich mich immer im Kreis? Manchmal denke ich: Jetzt weiß ich, wo es lang geht! Und zehn Minuten später bin ich wieder in meinen Gedankenmustern gefangen. Immer dieselben Fragen? Was will ich eigentlich? Warum fällt es mir so schwer, mich zu entscheiden? Eigentlich weiß ich immer nur, dass es so nicht mehr geht.“
Mit diesen ermüdenden Gedanken tragen sich manche Frauen Jahrzehnte. Es beginnt ganz subtil, manchmal ist es auch erst einmal ein diffuses körperliches Gefühl.
Und weil wir mitten im Leben stehen und alles funktionieren muss, ignorieren wir es zunächst. „Dafür habe ich jetzt keine Zeit. Wenn ich Urlaub habe, wird es bestimmt besser.“ Wir beißen die Zähne zusammen, nehmen vielleicht mal eine Kopfschmerztablette und haben für alles eine Erklärung. Arbeit, die Kinder, die Eltern, die inzwischen etwas langweilige Partnerschaft oder vielleicht die Wechseljahre. Die schlaflosen Nächte mit dem erschöpfenden Gedankenkarussell lassen uns vor dem folgenden Tag erschaudern, aber irgendwie überstehen wir auch den. Wenn wirklich gar nichts mehr geht, schreibt uns die verständnisvolle Hausärztin zwei Tage krank. Länger nehmen wir nicht in Anspruch, denn ohne uns funktioniert ja nichts.
Und weil wir ja schon so gestresst sind, wollen wir uns auf keinen Fall mit uns selbst beschäftigen. Es kommt uns gar nicht in den Sinn, dass das vielleicht gar nicht so sein muss. Dass es vielleicht Gründe gibt, die in uns liegen und nicht in den äußeren Umständen. Und sollte solch ein Gedanke aufblitzen, wird er schnell wieder verbannt. Denn dem nachzugehen, würde noch mehr Stress bedeuten. Und den brauchen wir gar nicht.
Wie kommt es eigentlich, dass wir so lange übergehen, was wir längst wahrnehmen? Vielleicht beginnt Veränderung genau dort: bei der Bereitschaft, der eigenen Wahrnehmung Raum zu geben.