Kennen Sie den Film Die Braut, die sich nicht traut?
Maggie (Julia Roberts) steht mehrmals kurz vor der Eheschließung, lässt den jeweiligen Kandidaten aber immer vor dem Traualtar stehen und ergreift die Flucht. Im letzten Moment scheint ihr bewusst zu werden, dass er nicht der Richtige ist. Bis zum Hochzeitstermin allerdings ist sie felsenfest überzeugt, nun den Mann fürs Leben gefunden zu haben.
Als alle Kandidaten einmal gefragt werden, wie Maggie ihre Frühstückseier am liebsten mag, nennt jeder ein anderes Rezept. Interessanterweise mag Maggie sie so wie ihr jeweiliger Verlobter.
Warum passt Maggie sich immer an? Warum will sie ihren jeweiligen Partnern gefallen und gibt dabei ihre eigenen Interessen auf? Es geht nicht um Frühstückseier. Es geht darum, wie leicht wir den Kontakt zu unseren eigenen Bedürfnissen verlieren können.
Eine junge Frau, mit der ich mich bei hochsommerlichen Temperaturen unterhielt, bewunderte einmal meine Birkenstock-Zehentrenner und sagte: „Du hast so schöne Schuhe. Die würde ich auch gern tragen, aber mein Mann möchte das nicht. Solche Schuhe gefallen ihm nicht.“ Also trug sie tapfer bei über 30⁰ C ihre Sneakers.
Warum tat sie das? Es ging nicht um Schuhe. Es ging darum, dass sie glaubte, nur dann akzeptiert zu werden, wenn sie den Vorstellungen ihres Mannes entsprach.
Viele von uns haben früh gelernt, Erwartungen zu erfüllen. Anerkennung gab es oft dann, wenn wir lieb, vernünftig oder angepasst waren. Vielleicht wirken diese Muster bis heute nach.
Wir haben Angst vor Ablehnung und suchen Harmonie und Anerkennung. Allerdings zahlen wir dafür einen hohen Preis. Wir verbiegen uns und passen uns an und reden uns auch noch ein, das wäre richtig. Denn wir glauben, dass wir nur dann angenommen werden, wenn wir Erwartungen erfüllen.
Weil wir nach diesen Mustern erzogen wurden, haben wir gelernt, die Erwartungen anderer wichtiger zu nehmen als das, was sich in unserem Inneren bemerkbar macht.
Aber wir können uns wieder auf uns selbst besinnen. Vielleicht ist das Vertrauen in uns selbst nie verschwunden. Vielleicht ist es nur von Erwartungen, Verpflichtungen und Gewohnheiten überdeckt worden. Wir müssen uns nur gestatten, genau hinzuschauen.
Auch Maggie spürt das, denn schließlich „rettet“ sie sich selbst immer wieder durch Flucht. Natürlich hat der Film ein Happy End. Maggie trifft auf Graham (Richard Gere), der ihr klarmacht, dass sie sie selbst sein soll und sich nicht anpassen muss, und natürlich ist er dann der Richtige, da er sie so akzeptiert, wie sie ist.
Und doch bleibt für mich ein kleiner Wermutstropfen. Maggie findet erst zu sich selbst, nachdem Graham ihr vermittelt, dass sie sich nicht mehr anpassen muss.
Aber der entscheidende Schritt beginnt nicht damit, dass uns jemand erlaubt, wir selbst zu sein. Er beginnt in dem Moment, in dem wir uns diese Erlaubnis selbst geben.
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